HESS - 1882-2007

37 Hess als Carrossier für Personenwagen Links: Cabrio-Coach mit festen Seitenteilen. Fiat. Rechts: 6/7-sitzige Limousine mit Rolldach als Kleinbus eingesetzt. belmarken gingen Mitte der Zwanzigerjahre die meisten Hersteller dazu über, komplett carrossierte Wagen anzubieten und auszuliefern. Dank der Serienproduktion waren diese natürlich auch deutlich billiger. Oft glänzten sie mit überraschend guten Fahreigenschaften und -leistungen. Da jedoch individuelle Wünsche bei Serienmodellen nur beschränkt angebracht werden konnten, fanden sich bei HESS immer noch Käufer von offenen Tourenwagen oder Limousinen mit Spezialcarrosserien. Sie erhielten für ihr Geld einen einzigartigen Wagen, mit einer Carrosserie, die in sorgfältiger, hochwertiger Handarbeit entstanden war. Vermehrt wurden für solche Autos nun auch amerikanische Chassis von Buick, Packard usw. verwendet. Ein ganz besonders erlesenes Fahrzeug war der mächtige und kostspielige französische Farman-Tourenwagen. Dieser Flugzeughersteller hatte nach Kriegsende, wie Hispano-Suiza, auf Luxusautomobile gesetzt. Mit seinem 6,6 LiterSechszylindermotor war der Farman ebenso gut motorisiert, bis zu 145 km/h schnell und wohl noch exklusiver. Leider konnte der Kunde für dieses Prachtsexemplar nicht mehr ermittelt werden und so ist auch über den weiteren Verbleib nichts bekannt. Von der angesehenen deutschen Marke Stoewer kamen zwei Chassis. Eines wurde als Limousine, das andere als rassiges Sport-Torpedo aufgebaut. Die belgische Marke Minerva, die ihre Wagen stets mit Schiebermotoren ausgestattet hatte, lieferte zwei Chassis auf denen majestätische Limousinen aufgebaut wurden. Ein aufregendes Einzelstück war der kleine Sportroadster, vermutlich auf einem schnellen Amilcar-Chassis. Die sehr ansprechende Unten: Bereitstellung der Ausstellungsfahrzeuge für den Genfer Salon 1931. mit die Exporte praktisch verunmöglichte. Der wichtigste Typ TF war eine nunmehr bereits etwas veraltete Vorkriegskonstruktion und warf nicht genügend ab. Die finanziellen Schwierigkeiten wurden 1924 durch die Übernahme des Unternehmens durch Walter Steiger, eines Schweizers, der in Deutschland Autos gebaut hatte, vorübergehend etwas gemildert. Ein Jahr später wurde der neue Sechszylinder-Typ eingeführt, aber es blieb eine Gratwanderung und 1933 musste auch Martini in St. Blaise ihre Tore für immer schliessen. Einzelanfertigungen, wie sie die Carrosserie HESS einer anspruchsvollen Kundschaft anbot, bewegten sich also auf einem sehr schwierigen Terrain. Es waren ausschliesslich Käufer, die etwas Besonderes wünschten und dafür auch mehr zu bezahlen gewillt waren, die Aufträge erteilten. Ausser ein paar wenigen, relativ kleinen No­

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